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Von SEO und Zeitungskiosken

geschrieben am 11.09.2008 von Stefan

Im Urlaub mache ich mir normalerweise wenig Gedanken über Suchmaschinenoptimierung, viel lieber lese ich die (deutschsprachige) Zeitungspalette des örtlichen Händlers einmal quer durch. Das war dieses Mal nicht anders und doch schweiften bei der Lektüre meine Gedanken weg vom “Rrrums” in der SPD und drehten sich um SEO-Themen. Erst kürzlich flammte ja eine Debatte über die SEO-Maßnahmen von Tageszeitungen auf, als sich der Chef der Online-Ausgabe der “Süddeutschen” über die angeblich manipulativen Aktivitäten seiner Konkurrenten der “Welt” aufregte. Hans-Jürgen Jakobs, so heißt der SZ-Online-Chef, hatte in diesem Zusammenhang von “journalistischer Wettbewerbsverzerrung” gesprochen.

Was hat das nun mit meiner Strandlektüre zu tun? Nun, der Kiosk in meinem Ferienort führte verschiedene Tageszeitungen, die FAZ, die Süddeutsche, die Welt und auch der Tagesspiegel waren vertreten. Die BILD sowieso. Doch am (späten) Vormittag waren lediglich die tagesaktuellen Ausgaben der Springer-Titel BILD und Welt erhältlich, die anderen Blätter erst am Nachmittag verfügbar. Ganz offensichtlich gibt es also auch in der Offline-Welt erhebliche Unterschiede im Vertrieb. Denn andere Blätter, etwa die Frankfurter Rundschau oder die taz, gab es überhaupt nicht zu kaufen. Ob es nun Zufall ist, dass der Springer-Verlag offline wie online den besseren Vertrieb hat, sei mal dahingestellt. Klar ist aber, dass die Bestückung der Kioske mit Zeitungen das Ebenbild zur Auffindbarkeit der Online-Ausgaben via Google darstellt. Beides ist Vertrieb und wer seinen Vertrieb nicht auf die Reihe bekommt, soll nicht jammern, sondern nachbessern. Das gilt im Web genau so wie im real life.

Und was das alles mit “journalistischer Wettbewerbsverzerrung” zu tun hat, ist nochmals eine ganz eigene Frage. Rühmen sich die “klassischen” Journalisten, in Abgrenzung zu Bloggern, ja nicht gerade wegen ihrer Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Einflüssen? Wie kann dann also ein besserer Vertrieb den journalistischen Wettbewerb verzerren? Dabei hätte gerade die Süddeutsche am wenigsten Grund zu jammern. Die tägliche “Welt”-Lektüre am Strand hat mir wieder deutlich gemacht, warum ich die SZ abonniert habe: Die Welt mag zwar den besseren Vertrieb haben, die besseren Journalisten aber arbeiten in München.

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