Beim Linknetz-Aufbau auf Provider-Popularity achten
geschrieben am 11.02.2010 von StefanEin ordentlicher Linkaufbau verlangt, viele Links von möglichst unterschiedlichen Quellen zu erhalten. Denn Google betrachtet jeden Link als Votum für die verlinkte Seite – aber nur, wenn die verschiedenen Links auch voneinander unabhängig sind. Schließlich möchte Google eigentlich nicht die Links zählen, sondern die Individuen, die einen Link gesetzt, also ein Votum für die verlinkte Seite abgegeben haben.
Deshalb betrachtet der gute SEO von heute Größen wie Host Popularity, Domain Popularity oder IP Popularity einer Website. Dabei wird jeweils gezählt, von wie vielen verschiedenen Hosts, Domains oder IP-Adressen Links auf eine Website verweisen. In der Branche wird sogar vermutet, dass Google auf die Daten der Domainregistrare zugreift und somit anhand der Inhaberdaten Verbindungen herstellen kann, die alleine aufgrund der IP-Adresse nicht zu erkennen wären.

Doch auch ohne Registrierungsdaten können zusätzliche Informationen ermittelt werden, die auf eine gewisse Verwandschaft von Websites hindeuten. So liefert eine einfache DNS-Abfrage die Nameserver zurück, die für eine Domain zuständig sind. Damit lässt sich meist auf den Provider zurückschließen. Ein Beispiel: Die beiden Domains certo-it.de und seo-niederbayern.de liegen unter den beiden IP-Adressen 217.115.142.76 bzw. 80.237.132.136 und weisen auf den ersten Blick keinerlei Gemeinsamkeiten auf. Eine detaillierte DNS-Abfrage aber zeigt, dass die jeweils eingetragenen Nameserver b1.wpns.hosteurope.de und b1.wsns.hosteurope.de bzw. ns1.hans.hosteurope.de und ns2.hans.hosteurope.de heißen. Extrahiert man von diesen Nameservern die Domain, bleibt bei jeweils nur “hosteurope.de” übrig.
Sicherlich kommt man an diese Infos auch über eine Whois-Abfrage oder über einen traceroute-Aufruf. Sind solche Abfragen aber im großen Stil notwendig, sind beide Alternativen zu langsam. DNS hingegen dürfte der schnellste und zuverlässigste Dienst im Internet sein. Es ist für Google somit ein leichtes, über eine simple DNS-Abfrage eine Verwandschaft der beiden Domains herzustellen. Und natürlich wird eine derart ermittelte Größe kein klassisches Ranking-Kriterium sein, sondern höchstens wieder nur ein Signal.
Ich habe deshalb in die Backlink-Abfrage-Funktion der Keyword-Datenbank die Größe “Provider Popularity” eingefügt. Damit sieht der Nutzer auf einen Blick, ob die Backlinks seiner Website eine unnatürliche Providerverteilung (=Verteilung der Nameserver-Domains) aufweisen.

Um zu demonstrieren, wie so etwas aussehen kann, hier ein Beispiel einer Website, die von einem typischen Linknetz gepuscht wird. Zwar hat der zuständige Optimierer brav darauf geachtet, viele verschiedene IP-Adressen (und sogar verschiedene Class-C-Netze) zu nutzen, aber zu viele Links haben die gleiche Nameserver-Domain:

Wer also sein Linknetz nach allen Regeln der Kunst aufbauen möchte, muss nicht nur darauf achten, verschiedenste IP-Adressen zu nutzen und die Registrierungsangaben zu differenzieren, sondern sollte auch einen Blick auf die Nameserver werfen, die für seine Linknetz-Domains zuständig sind. Sonst kann die mühsam aufgebaute Täuschung sehr schnell auffliegen.
15 Kommentare
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Loewenherz
11. Februar 2010 13:38Absolut. Ich hatte vor Wochen ein Telefonat mit einem Kollegen bei dem rauskam, dass er ne Menge Domains (oder gar alle?) über denselben DNS laufen lässt. Ich bin fast tot umgefallen. Vielleicht liest er hier mit und glaubt mir jetzt…
Kai Spriestersbach
11. Februar 2010 13:42Grundsätzlich stimme ich Dir zu, aber eine Vielzahl unabhängiger Portale haben ihre Nameserver bei hosteurope.de, dass alleine stellt noch keine Beziehung her, daher denke ich nicht dass dies eine verlässliche Größe für eine derartige Bewertung ist.
Sicherlich KANN es EIN Indiz dafür sein, allerdings würde ich noch eher auf die Variation der Registrare der Domains achten, weniger auf die Nameserver.
Andreas
11. Februar 2010 13:58Verlässliche Größe sicher nicht, Stefan sagt ja auch, dass es im Sinne eines Signals zu verstehen ist. Ob G das aktuell mit einfließen lässt, weiß man natürlich nicht. Aber kann mir schon vorstellen, dass eine so simple und rechenzeitsparsame Datenquelle mal angetestet und als weiteres Gewicht mit einbezogen wird.
Stefan
11. Februar 2010 14:01Kai,
klar, es geht dabei nur um Indizien, nicht um handfeste Beweise. Sobald die Provider-Popularity zu gering wird – natürlich immer im Verhältnis sowohl zur IP-Popularity – ist das aber ein deutliches Anzeichen. Das muss nicht heißen, dass Google darauf sofort mit einer Abstrafung reagiert. Aber ein gewisses Missverhältnis könnte z.B. einen Hinweis an die Quality Rater auslösen, sich die Backlinks mal genauer anzusehen.
Justin
11. Februar 2010 16:03Hallo Stefan,
sehr schöner Beitrag. Ich könnte mir vorstellen das Google solche Daten verwendet, da Google alle Daten-Kanäle versucht anzuzapfen. Natürlich ist es mit dem Nameserver keine 100 %ige Information. Große Hoster wie Hosteurope, 1 und 1 und Strato haben tausende Seiten. Ich werde sicherlich ebenfalls hunderte Links von solchen Hostern haben (unbewusst). Aber ich denke, wenn Google erkennt das eine Seite nur vom Hoster XY Links kriegt, dann wird Google die Information sicherlich nutzen.
Hast mich durch den Beitrag übrigens soeben als Kunde für deine Keyword Datenbank gewonnen
Grüße,
Justin
Christopher Kunz
11. Februar 2010 16:32Ich glaube nicht, daß Google so fahrlässig ist, eine derartige “Information” zu nutzen. Was sagt denn bitte die “Provider-Popularity” bei einer Abfrage über die Nameserver aus? Meiner Meinung nach: Nichts.
Der Nameserver einer Domain hat nämlich mit dem tatsächlichen Provider nicht so zwangsläufig etwas zu tun, wie das hier dargestellt wird – und dessen ist sich Google bewußt. Großregistrare wie z.B. United Domains (und iher Töchter), Key Systems oder Strato registrieren Domains und bieten Nameserver-Dienstleistungen an – die Domains liegen dann aber bei einer Vielzahl verschiedener Provider.
Und einen Vergleich mit der Host/IP Popularity anzustellen, ist auch nicht sinnig. Während auf einer IP-Adresse vielleicht ein paar Tausend Domains mit echten Inhalten liegen können, kann ein DNS-Server mit halbwegs aktueller Ausstattung mehrere Hunderttausend Zonen verwalten. Und mit jeder Zone mehr steigt die Wahrscheinlichkeit für False Positives.
Martin Welz
11. Februar 2010 16:38Ich bin auch überzeugt, das Google diese Daten nutzen wird. Auch bin ich der Überzeugung, das diese Daten heute noch nicht eine so große Rolle spielen, dies sich aber zukünftig mehr und mehr ändern wird. Letzten Endes muss Google seinen Algorithmus weiterentwickeln da die zunehmende Automatisierung bei der Suchmaschinenoptimierung es den SEOs immer einfacher macht, manipulativ das Ranking zu beeinflussen. Sicherlich wird es auch bzgl. der Namensserver bald Software geben, die dies berücksichtigt – aber dann findet Google ien neues Signal/Faktor.
Stefan
11. Februar 2010 16:55Christopher,
es ging mir im Artikel nicht darum zu sagen, dass zwei Domains mit gleichem Nameserver (genauer: gleicher Nameserver-Domain) automatisch eine gewisse Verbindung haben. Natürlich ist das nicht zwangsläufig der Fall und es ist noch weniger der Fall, wenn die Domains bei einem großen Provider liegen.
Stell’ dir einfach die natürliche Verlinkung einer “braven” Website vor. Deren Provider-Popularity wird in etwa ein Abbild der hiesigen Provider-Landschaft (oder meinetwegen der Nameserver-Landschaft) sein. Und nun im Vergleich dazu eine “böse” Website, die von einem klassischen Linknetz gespeist wird. Die Provider-Popularity dieser bösen Site weicht deutlich vom Durchschnitt ab. Nur diese Abweichung von der typischen Verteilung ist ein Anzeichen für Linkspamming!
Mit der Provider-Popularity (von mir aus auch Nameserver-Popularity) hat man eine einfache Größe, die – im Vergleich mit der IP-Popularity – schnell anzeigt, ob beim Linkaufbau womöglich ein solches Problem besteht oder nicht.
Andreas
11. Februar 2010 18:17Dann lass doch Deinen Algo mal auf ein paar Hundert zufällig ausgewählte Seiten los (vielleicht begrenzt auf Seiten mit einer Domainpop ab 100, um etwas Varianz sicherzustellen) und schau, ob die Top10 aus Spamseiten besteht. Ohne empirische Daten können wir ja lange mutmaßen, ob diese Datenquelle Sinn macht oder nicht.
Stefan
11. Februar 2010 18:27Andreas,
das habe ich schon gemacht, zwar nicht mit ein paar Hundert, aber doch mit zig Seiten. Allerdings ist das mit der zufälligen Auswahl schwierig, weil es doch eine recht bestimmte Art von Backlink-Spam ist. Ich habe deshalb etwa zwanzig solche Kandidaten von typischen SEO-Hostern rausgesucht und mit braven Seiten verglichen.
Die genauen Ergebnisse müsste ich mal sauber zusammenstellen, da hast du recht. (Doch dann kommt der nächste, der es erst glaubt, wenn er die Spam-Domains sehen darf …)
Dirk
12. Februar 2010 14:12Hallo, ein sehr interessanter Aspekt. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man vielleicht vermehrt bei den ganz großen Providern bestellen, um die Problematik Nameserver zu umgehen? Damit würden doch die “Dopplungen” ausgeschlossen. Aber um zu wissen, bis wann es natürlich wirkt, müsste man noch ein paar Tests auswerten.
Andreas
12. Februar 2010 15:26Konsequent auf große Provider zu setzen wär wohl zu teuer
Reicht ja, einfach einen großen DNS-Anbieter zu verwenden, wenn man sein Netzwerk schon mit einem einzelnen n*ClassC-SEO-Provider aufbauen will. Ich finds aber cleverer, einfach ganz viele kleine Provider zu nehmen, dann gibt´s auch keine Footprints, von denen man noch gar nichts weiß.
Nameserver bzw. Provider Popularität | Suchmaschinen Blog vom Bösen Seo
16. Februar 2010 12:26[...] aus dem Urlaub, hab ich einen Blogbeitrag von Stefan Fischländer entdeckt. Ich möchte seinen Artikel ein wenig ergänzen und vielleicht auch meine Gedanken zu dem [...]
Nameserver bzw. Provider Popularität | SEO MetaBlog
17. Februar 2010 08:00[...] aus dem Urlaub, hab ich einen Blogbeitrag von Stefan Fischländer entdeckt. Ich möchte seinen Artikel ein wenig ergänzen und vielleicht auch meine Gedanken [...]
Lauftreff
26. April 2010 19:55Ich denke, dass man eher die Themenrelevanz der verlinkenden Seite betrachten sollte, als IP-Adresse, etc. Das bringt bzgl. des Rankings. m.E. sehr viel mehr.