Google und die Sprachen
geschrieben am 01.09.2006 von StefanMachen Sie doch mal ein kleines Experiment und suchen Sie in Google nach [pepsi]. Auf Platz eins finden Sie: pepsi.de. Eigentlich alles okay, doch warum landet pepsi.com viel weiter hinten, wo doch die com-Website einen deutlich höheren PageRank aufweist?
Google ist nicht gleich Google. Für jedes Land, oder genauer, für fast jede Sprache, zeigt Google unterschiedliche Suchergebnisse an. Dabei soll es hier nicht um die Frage der quasi-freiwilligen Selbstzensur Googles in China gehen, sondern um den Einfluss von Spracheinstellung, Zeichenkodierung und Standort des Nutzers auf das Google-Ranking.
Aus deutscher Sicht ist zunächst die Frage der Umlaute interessant. Grundsätzlich zeigt Google auf eine Suchanfrage immer Ergebnisse in beiden Varianten, also sowohl in der korrekten Schreibweise als auch in der Version mit nachgestelltem e (“Ersatzschreibweise”). So bringt eine Suche nach [männer] nahezu die gleichen Ergebnisse wie die Anfrage [maenner]. Die kleinen Unterschiede liegen daran, dass Google Seiten, die das Wort “maenner” enthalten, bei der entsprechenden Anfrage etwas höher listet. Zumindest derzeit sieht man das sehr schön an der Website www.maenner-sind-doof.de: Während diese Seite, von deren Inhalt ich mich natürlich distanzieren möchte, bei der Anfrage [männer] lediglich auf Platz 46 angezeigt wird, landet sie bei einer Suche nach [maenner] auf Platz 8. Möchten Sie nur Ergebnisse einer Schreibweise angezeigt bekommen, so müssen Sie dem Suchwort ein “+” voranstellen. Eine Suche nach [+maenner] bringt so lediglich fünf Millionen Seiten, während ohne das “+” ca. 50 Millionen Treffer gefunden werden.
Ganz erheblich können sich die Ergebnisse für zwei identische Anfragen unterscheiden, wenn die Google-Spracheinstellungen verschieden sind. Suchen Sie doch mal nach [lager]. Sie erhalten mehrheitlich Treffer, die von Aufbewahrungsstätten oder technischen Bauteilen handeln. Schalten Sie nun auf die englischsprachige “Originalseite” von Google um. Das erreichen Sie am einfachsten durch diesen Aufruf: www.google.com/ncr. Wenn Sie nun erneut nach [lager] suchen, finden sich – zumindest derzeit – neun Treffer, die mit der englischen Biersorte zu tun haben.
Auch unsere Männer-Ergebnisse unterscheiden sich jetzt dramatisch. Die Ergebnisse für [maenner] bringen nun vermehrt Treffer von englischsprachigen Sites, handeln aber wenigstens nach wie vor von Menschen. Suchen Sie aber mit der englischen Spracheinstellung nach [männer], zeigt Google vor allem Ergebnisse für das englische Wort “manner” an.
Googles Webmasterblog zufolge unterscheiden sich die Ergebnisse bei ansonsten identischen Einstellungen darüber hinaus auch abhängig von Standort des Googlenutzers. Der Standort wird dabei von der IP-Adresse abgeleitet und ermöglicht zumindest eine grobe regionale Zuordnung.
Greifen wir nochmals unser eingangs erwähntes Pepsi-Beispiel auf. Gehen Sie zu www.google.co.uk/ncr und suchen wieder nach [pepsi]. Von einer pepsi.de ist nichts zu sehen, dafür landet nun die britische Filiale mit pepsi.co.uk auf Platz drei. Google hat schon sehr früh gelernt, dass eine globale Suchmaschine regionalisierte Ergebnisse anzeigen muss, möchte sie weltweit erfolgreich sein. Auch das ist Teil des Google-Erfolgs.
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