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Gedanken zum Google Datenschutz

geschrieben am 10.12.2009 von

Niemand wird bestreiten, dass Google ein gigantischer Datensammler ist. Google kennt

  • die Suchanfragen von 90 Prozent der deutschen Internetnutzer, zusammen mit den angeklickten Ergebnissen.
  • dank Google Analytics, AdSense, DoubleClick, Blogger.com und der Toolbar das weitgehende Surfverhalten nahezu aller deutschen Internet-Nutzer auf mindestens einem Drittel der deutschen Websites – denn allein Analytics ist ja bereits auf 13 Prozent aller Websites im Einsatz.
  • die E-Mails von Millionen GMail-Nutzern.
  • demnächst das komplette Surfprofil aller Nutzer, die den neuen Google-DNS-Service nutzen.
  • vermutlich das komplette Nutzerverhalten aller ChromeOS-Nutzer.

Nun lautet bekanntlich Googles Mantra “Don’t be evil!” und in der Tat gibt es noch keinen Vorfall, der daran ernsthaft zweifeln ließe. Ich nutze ja selbst seit Jahren GMail, manchmal auch Google Analytics und auf meinem Netbook Chrome als primären Browser. Zu behaupten, ich wäre besonders paranoid was Google angeht, ist definitiv übertrieben.

Trotzdem finde ich die Datenmenge und -qualität, die Google inzwischen angehäuft hat, beängstigend. Zumal Google das Thema Datenschutz meiner Empfindung nach zuletzt immer stiefmütterlicher behandelt. Dass die personalisierte Suche von Google nun per Opt-Out-Verfahren funktioniert, stellt eine neue Dimension dar. Bisher musste sich der Nutzer dazu extra anmelden und so waren die typischen DAUs nicht betroffen. Nun aber wird ein höchst interessantes Nutzerprofil erstellt und sechs Monate gespeichert, ohne dass der normale Durchschnittsnutzer das irgendwo mitbekäme.

Wenn es einen Grundsatz über Datensammlungen gibt, dann wohl diesen:

Sind Daten erst einmal erhoben, werden sie früher oder später auch zu Zwecken ausgewertet, die anfangs vehement bestritten wurden.

Bei den Providern gibt’s Verbindungsdaten? Die müssen wir speichern! Bei der LKW-Maut fallen Daten an, mit denen man vielleicht Verbrecher fangen kann? Also müssen wir darauf zugreifen können!

Was hat das nun mit Google zu tun?

Ich bin heute über dieses Interview mit Google-Chef Eric Schmidt gestolpert. Dort sagt er, ich übersetze mal kurz, folgendes:

Wenn du etwas tust, von dem du nicht möchtest, dass jemand anders es weiß, solltest du es vielleicht gleich gar nicht tun.

Mich beunruhigt diese Einstellung ganz ernorm. Der Chef der Firma, die wohl mehr über mich weiß als sonst jemand auf der Welt, sagt mir: Wenn du unschuldig bist, hast du nichts zu verbergen! Was heißt das für Googles künftiges Verhalten zum Datenschutz? Will ich dieser Firma wirklich weiterhin mein Vertrauen für meine Mails (und die meiner Mailpartner) entgegenbringen?

Ich habe den Eindruck, Google macht derzeit einen großen Wandel durch. Lange haben sie es geschafft, trotz ihrer Größe einen sympatischen Anschein zu bewahren. Diese – im besten Fall – unbedachte Äußerung ihres Chefs zum Datenschutz oder die Einführung einer Suchfunktion ohne ersichtlichen Vorteil für die Nutzer sind aber Hinweise, dass Google auf dem langen Weg zum normalen Großkonzern etliche Schritte vorangekommen ist.

10 Kommentare

  • Jonas
    10. Dezember 2009 19:50

    In der Tat eine unglückliche Aussage von Eric Schmidt. Da hat er wohl laut gedacht.
    Das Opt-Out Verfahren ist vor allem deswegen fragwürdig, weil man nicht wie bei anderen Google Produkten bzw. dem Google Konto gewissen AGB zustimmen muss.

  • Jan
    10. Dezember 2009 21:07

    Das ist ja mal wieder eine Interessante Aussage. Ich würde nur gerne mal das komplette Umfeld des Satzes lesen und die Information dann passend einordnen können.
    Klingt aber sehr nach Überwachung.

  • Stefan
    11. Dezember 2009 10:57

    Jan,
    viel Zusammenhang war da nicht. Im verlinkten Artikel ist ein 30-sekündiger Auszug aus dem Interview. Es lautet in etwa so: Schmidt wird gefragt, ob es gerechtfertigt ist, dass die Menschen Google als vertrauenswürdigen Freund sehen. Worauf er antwortet, wieder sinngemäß: Man soll seinen gesunden Menschenverstand einschalten. Und dann kommt der oben zitierte Satz.

  • Enza
    11. Dezember 2009 17:41

    Hi Stefan,

    ich hatte den Artikel schon vor 2 Tagen gelesen und dachte mir schon, dass an dem Artikel etwas faul ist. Google Chef Eric Schmidt `s Aussage wurde mal wieder in einem total falschen Zusammenhang zitiert und so als “Evil” dargestellt. Bin mir 100%-ig sicher, dass bei dieser Sache Microsoft und Anhänger die Finger im Spiel haben!

    …und der Kampf hat erst begonnen! Bin ja mal gespannt wohin das noch mit den beiden (Google und Micros..) führt.

  • Enza
    11. Dezember 2009 17:44

    interessant ist auch dieser Artikel hier
    http://www.basicthinking.de/blog/2009/12/11/google-bildersuche-kuenstlerin-verklagt-die-suchmaschine/

  • Stefan
    11. Dezember 2009 18:33

    Enza,
    ich weiß nicht, was daran “in einem total falschen Zusammenhang zitiert” sein soll. Schmidt hat das genau so gesagt und auch so gemeint, zumindest war von Ironie nichts zu spüren.
    Und langsam sollte man auch aufhören, in Microsoft das Feindbild zu sehen. Frag’ mal die Hersteller von Navis oder von Webanalyse-Software dazu, oder die Betreiber von regionalen Portalen, was die von Google halten.
    Ein interessanter Beitrag zu diesem Thema ist übrigens hier zu finden: http://www.paulgraham.com/microsoft.html

  • Enza
    11. Dezember 2009 19:04

    ehrlichgesagt möchte ich mich daraus halten. Ich denke jeder einzelne von ihnen hat gute Dienste geleistet. Microsoft mit seinen Betriebssystemen und Playstations etc., und Google mit seiner Suchmaschine!

    So hat auch jeder einzelne Mensch seine Talente und Fähigkeiten in etwas Bestimmtem…

    …und Konkurrenz wird es auf dem Markt immer geben….
    richtig Stefan? ;-)

    So long…:-)

  • Regine
    19. Dezember 2009 22:57

    In Deutschland ist wohl auch die Rechtslage bei der Verwendung von Google Analytics noch nicht klar. Zumindest bestehen Bedenken der Datenschützer (kann man ihnen auch nicht ganz verdenken…). Soweit ich das als juristischer Laie überblicken kann, hängt es sehr von der rechtlichen Bewertung der Frage ab, ob IP-Adressen personenbezogene Daten darstellen.

    Einfach mal “googlen” :-) nach “datenschutz google analytics” liefert z.B. einen Beitrag der ZEIT. Allerdings erst an vierter Stelle, das Google Datenschutz-Center kommt vorher… ;-)

  • Gerd
    23. Dezember 2009 17:56

    Google Analytics ist böse, weil da IP-Adressen gespeichert werden, die über 15 Ecken herum vielleicht einer Person zugeordnet werden könnten. Aber das SWIFT-Abkommen, bei dem echte, persönliche und sensible Bankdaten in die USA übermittelt werden, wird durchgewunken. Damit hat keiner ein Problem. Da kommt kein Aufschrei. Wo waren denn da die Datenschützer? Ich kann diese ganzen Datenschutz-Wichtigtuer nicht mehr ernst nehmen.

  • Google Analytics – Datenschutz-Problem oder typisch-deutsch? | tagSeoBlog
    25. Januar 2010 17:35

    [...] von Stefan Fischerländer, der sich auch Gedanken über Google Datenmacht macht: “Gedanken zum Google Datenschutz“. Auch bei Heise gibt es einen langen und gewohnt  informativen Artiekl zum Thema “Der [...]

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