Wissenschaftliche Studie auf Konfrontation mit Google
geschrieben am 04.12.2007 von Thomas KnipLaut einem Artikel auf heise.de warnt eine Studie der TU Graz vor der “Bedrohung der Menschheit” durch den Suchmaschinenanbieter. Google bestimme durch seine Marktstellung und seine Zusatzdienste wie Google Mail oder Google Earth immer mehr, wie die Benutzer die Welt sehen würden.
Der Grazer Informatikprofessor Hermann Maurer fordert daher kartellrechtliche Maßnahmen und Gegenaktionen der EU, beispielsweise in Form finanzieller Unterstützungen für spezialisierte Suchmaschinen für Bereiche wie Handwerk oder Medizin.
Den kompletten Bericht kann man hier als pdf einsehen.
Diese Einschätzung ähnelt verblüffend den Vorbehalten, die man spätestens seit Ende der 1990er gegen Microsoft und dessen Quasi-Monopol vorbringt.
Es ist auch völlig legitim, wenn man die Einflussmöglichkeit von Google mit all seinen Zusatzdiensten und seiner Marktstellung im Suchmaschinenbereich kritisch betrachtet. Ebenso ist ein kritischer Blick auf Googles Umgang hinsichtlich Datenschutz und Persönlichkeitsrechten mehr als erlaubt.
Nur übersieht die Studie, dass Google diese Macht nicht an sich gerissen hat. Niemand wird gezwungen, Google und seine Dienste zu nutzen. Zu allen Angeboten gibt es adäquate Alternativen. Eine einfache Suche bei, eben, Google genügt, um weitere Anbieter ohne Probleme zu finden.
Weiterhin ist es kaum Google anzulasten, wenn es z.B. in Deutschland eine Marktstellung von 90% hat (Zahlen für Österreich wären hier interessant). Das sind Werte, von denen Google in den USA selbst nur träumen kann. Hier behauptet sich der Urahn Yahoo! mit 20-25% Marktanteil auf einem soliden zweiten Platz.
Und wenn “googeln” in den Sprachgebrauch Einzug gehalten hat, hat man es mit einem Kulturphänomen zu tun. Und mit dem muss man sich auf kultureller Ebene auseinander setzen, nicht auf juristischer.
Google hat sich die Bequemlichkeit der User zunutze gemacht, nicht anders als Microsoft in den Bereichen Betriebsprogramm und Office-Software. Und diese Dienste bieten zu einem großen Teil einen zufrieden stellenden Service.
Wenn jetzt also von wissenschaftlicher Seite ein staatliches Vorgehen gegen einen einzelnen Anbieter angemahnt wird oder – fataler noch – eine finanzielle Unterstützung künstlich zu erschaffender Konkurrenz, zeigt das eher die Hilflosigkeit gegenüber der eigenen Trägheit. Noch weniger als mit einem Monopolisten dürfte man sich in Europa mit “staatlichen Suchmaschinen” anfreunden dürfen.
Sorgen kann einem wiederum Googles Vorgehen bereiten, wie der Anbieter vor kurzem gegen Seiten mit bezahlten Links vorging und diese im Page Rank teils deutlich abwertete.
Es bleibt der schale Nachgeschmack, dass tatsächlich ein Quasi-Monopolist für Online-Werbung jeden Seitenbetreiber abgestraft hat, der es “gewagt” hat, andere Textwerbung einzubauen als die von Google.
Hier muss man abwarten, ob die Kräfte des freien Markts greifen. Wenn nicht, bleibt immer noch der Gang zur Kartellbehörde. Aber der heftige Protest innerhalb der Blogszene zeigt deutlich, dass die Welt noch lange nicht “vergoogelt” ist.
3 Kommentare
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Michael Gilhaus
21. März 2008 12:25Google hat die öffentlich rechtliche Seite http://www.patsch.at rausgeschmissen und sagt nicht warum. Das ist die crux. Man kann mit den Leuten nicht kommunizieren.
Stefan
22. März 2008 10:48Die quasi nicht vorhandene Möglichkeit, mit Google zu kommunizieren, ist wahrlich ein gewaltiger Makel. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum die Web 2.0-Apologeten Google immer noch so stark verteidigen. Denn angeblich ist doch in unseren modernen Web 2.0-Zeiten Kommunikation das A und O.
Christian
21. Oktober 2008 18:09Statt wild herumzuregulieren und Subventionen zu verpulvern könnte man auch man fragen, warum es keine einzige Suchmaschine in Europa gibt. Nicht mal einen großen Dienst wie Y! oder G oder MSN oder… alles Amis, keine einzige Europäer. Das ist das eigentlich Übel. Übrigens genauso wie in den 1990ern mit MS und seinem .doc-Monopol.