Deutsch-französische Suchmaschine Quaero geplant (Blog)
geschrieben am 17.01.2006 von StefanSeit Google im Google Print-Programm Bücher scannt und sich dabei von allfälligen Urheberrechtsfragen nicht allzu beeindruckt zeigt, wächst speziell in Europa die Sorge um eine sich dadurch möglicherweise verstärkende amerikanische Kulturvorherrschaft. Grund genug für den deutsch-französischen Ministerrat, eine europäische Suchmaschine zu fordern und zu fördern.
Nun wurde bekannt, dass auf deutscher Seite der Bertelsmann-Konzern mit seiner Tochterfirma Empolis – für Frankreich ist Thomson im Gespräch – die neue Suchmaschine namens Quaero entwickeln soll. Bertelsmann, da war doch was? Die älteren unter uns werden sich noch daran erinnern, dass Bertelsmann mit Fireball und Lycos schon mal an zwei eigenständigen Suchmaschinen beteiligt war; und beide existieren heute nur noch als blutleere Hülsen für die Ergebnislisten anderer Suchmaschinen.
Hat sich Bertelsmann nun eines besseren besonnen? Mag sein, vielleicht spielt aber auch etwas anderes eine Rolle: Geld. Immerhin soll alleine der französische Beitrag 150 Millionen Euro betragen; da auch aus Deutschland die gleiche Summe zu erwarten ist, kommt eine selbst für Konzernverhältnisse stattliche Summe von 300 Millionen Euro zusammen. Der deutsche Koordinator dieses Projekts ist übrigens Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, der Berater der aktuellen CDU-Kanzlerin wie des früheren SPD-Kanzlers Schröder.
Und schon sind wir beim spannendsten Aspekt von Quaero: der Politik. Ich hab lebhaft vor Augen wie ein Suchmaschinenrat – den Rundfunkräten nicht unähnlich – über die Suchergebnisse wacht; und wie das paritätisch besetzte Gremium sich über die Platzierung von Parteiseiten bei politisch heiklen Begriffen streitet: “Wenn wir von der CDU bei der Suche nach Hartz IV auf der Eins stehen dürfen, dürft Ihr Sozis meinetwegen für Mindestlohn vorne sein.”
Suchmaschinen sind der Wegweiser im Web, den Tageszeitungen in der normalen Welt nicht unähnlich. Niemand käme aber auf die Idee, eine Regierungszeitung etablieren zu wollen, nur weil die Bild-Zeitung zu viel Einfluss hat. Doch im Web soll das möglich sein – verrückte Welt.
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